Obersee
473 km²bis 251 m tief
Der große Hauptteil des Sees zwischen Bregenz und Konstanz. Hier liegen die tiefsten Stellen, die längsten Segelstrecken und die meisten Häfen.
Der See
63 Kilometer lang, an der tiefsten Stelle 251 Meter tief und dreigeteilt zwischen Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Bodensee ist geologisch jung – erst der abschmelzende Rheingletscher hat sein Becken gefüllt.
Wasserfläche
536km²
Obersee 473 km², Untersee 63 km². Damit ist der Bodensee nach Plattensee und Genfersee der drittgrößte See Mitteleuropas.
IGKB / Wikipedia
Größte Tiefe
251m
Exakt 251,14 m im Obersee zwischen Fischbach und Uttwil. Der tiefste Punkt liegt rund 144 m unter dem Meeresspiegel-Bezug der Seeoberfläche.
IGKB
Wasservolumen
48km³
48 Kubikkilometer – das entspricht 48 Billionen Litern. Der See ist der größte Trinkwasserspeicher Mitteleuropas.
IGKB
Länge
63km
Von Bregenz bis Bodman-Ludwigshafen. Die größte Breite beträgt 14 km zwischen Friedrichshafen und Romanshorn.
IGKB
Uferlänge
273km
Verteilt auf Deutschland (rund 173 km), die Schweiz (rund 72 km) und Österreich (rund 28 km).
IGKB
Mittlerer Wasserstand
395,2m ü. NHN
Der Seespiegel schwankt im Jahresverlauf um etwa 1,5 m – Tiefstand im Winter, Höchststand im Juni und Juli durch die Schneeschmelze in den Alpen.
LUBW / BAFU
Einzugsgebiet
11.487km²
Reicht bis in die Gletscherregionen Graubündens und Vorarlbergs. Rund zwei Drittel des Zuflusses stammen aus dem Alpenrhein.
IGKB
Wassererneuerung
4,3Jahre
So lange dauert es rechnerisch, bis das gesamte Seewasser einmal ausgetauscht ist. Deshalb wirken Einträge in den See über Jahre nach.
IGKB
Mittlere Tiefe
90m
Der Untersee ist mit 22 bis 46 m deutlich flacher – und friert deshalb erheblich häufiger zu.
IGKB
Trinkwasser für
4Mio. Menschen
Die Bodensee-Wasserversorgung beliefert rund 320 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg mit jährlich 125 bis 130 Mio. m³ Seewasser.
Bodensee-Wasserversorgung
Fischarten
30+
Von Felchen, Barsch (Kretzer) und Hecht bis zum Seesaibling. Die Felchenfischerei prägt die Küche der ganzen Region.
IBKF – Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei
Anrainerstaaten
3
Deutschland, Österreich und die Schweiz. Fürstentum Liechtenstein liegt im Einzugsgebiet. Der Obersee hat bis heute keine völkerrechtlich festgelegte Grenzziehung – er gilt als Kondominium.
IGKB
Geografie
Was umgangssprachlich „der Bodensee“ heißt, sind eigentlich mehrere Gewässer, die der Rhein durchfließt – jedes mit eigenem Charakter, eigener Tiefe und eigenem Klima.
bis 251 m tief
Der große Hauptteil des Sees zwischen Bregenz und Konstanz. Hier liegen die tiefsten Stellen, die längsten Segelstrecken und die meisten Häfen.
bis 147 m tief
Der nordwestliche Arm des Obersees, ein schmaler Fjord zwischen Bodanrück und dem Steilufer bei Sipplingen – landschaftlich der dramatischste Teil des Sees.
bis 12 m tief
Vier Kilometer Fluss mitten durch Konstanz, der Ober- und Untersee verbindet. Hier misst der Pegel Konstanz, hier beginnt der Rhein wieder zu fließen.
bis 46 m tief
Flach, gegliedert und ruhiger: Gnadensee, Zeller See und Rheinsee mit der Insel Reichenau. Er friert deutlich häufiger zu als der Obersee.
Inseln
Drei sehr unterschiedliche Inseln: ein Welterbe-Kloster mit Gemüsefeldern, ein subtropischer Park und eine mittelalterliche Stadt.
UNESCO-Welterbe
4,30 km² · Reichenau
Die größte Insel im Bodensee. Das Benediktinerkloster aus dem Jahr 724 und seine drei romanischen Kirchen sind seit 2000 UNESCO-Welterbe. Daneben ist die Insel bis heute ein intensiv genutztes Gemüseanbaugebiet.
Die Blumeninsel
0,45 km² · Konstanz
Ganzjährig bepflanzter Park mit mediterraner und subtropischer Vegetation, Schmetterlingshaus und Barockschloss. Getragen von der Familie Bernadotte.
Die Inselstadt
0,68 km² · Lindau (Bodensee)
Mittelalterliche Altstadt auf einer Insel, über Brücke und Damm mit dem Festland verbunden. Der Hafen mit Löwe und Leuchtturm ist das meistfotografierte Motiv am See.
Klosterinsel
0,02 km² · Eschenz
Winzige Insel im Rheinsee bei Stein am Rhein mit einer Franziskaner-Klause. Der Legende nach starb hier 639 der heilige Otmar.
Geschichte
Vom Rückzug des Gletschers über das Konstanzer Konzil bis zur Rettung der Wasserqualität.
Das Becken des Bodensees wurde während der Eiszeiten vom Rheingletscher ausgeschürft. Beim Abschmelzen füllte es sich – der See ist geologisch noch sehr jung und wird durch den Geschiebeeintrag des Alpenrheins langsam kleiner.
Rund um den See lebten Menschen in Ufersiedlungen auf Pfählen. 111 Fundstellen im Alpenraum – darunter Unteruhldingen – gehören seit 2011 zum UNESCO-Welterbe.
Der Wanderbischof Pirmin gründet das Benediktinerkloster. Die Insel wird für Jahrhunderte zu einem der wichtigsten geistigen Zentren Europas. Seit 2000 UNESCO-Welterbe.
Vier Jahre lang ist Konstanz Mittelpunkt der christlichen Welt. Es ist das einzige Konzil nördlich der Alpen, das einen Papst wählte.
Die „Wilhelm“ nimmt den Betrieb auf und macht den See zur Verkehrsachse. Bis heute verbindet die „Weiße Flotte“ die Ufer dreier Staaten.
Am 2. Juli hebt LZ 1 über dem Bodensee bei Friedrichshafen ab. Der See wird zur Wiege der Luftschifffahrt.
Aus 60 m Tiefe bei Sipplingen wird Wasser entnommen, aufbereitet und bis nach Stuttgart und in den Odenwald geleitet.
Die Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee nimmt ihre Arbeit auf – der Beginn einer der erfolgreichsten Gewässersanierungen Europas.
Der Obersee friert vollständig zu und ist wochenlang zu Fuß begehbar. Seither hat kein Winter mehr gereicht.
Der Phosphorgehalt erreicht mit rund 87 µg/l seinen Maximalwert. Algenblüten trüben das Wasser, die Fischbestände verändern sich grundlegend.
Flächendeckende Kläranlagen mit Phosphatfällung und das Phosphatverbot in Waschmitteln wirken. Heute liegt der Phosphorgehalt wieder bei etwa 6–7 µg/l – nahe dem natürlichen Zustand.
Der See steigt auf 5,65 m am Pegel Konstanz. In der Folge entsteht die länderübergreifende Wasserstandsvorhersage der drei Anrainerstaaten.
Die Wassertemperatur steigt messbar, Vollzirkulationen im Winter bleiben häufiger aus. Zugleich fällt der sommerliche Höchststand geringer aus, weil weniger Schmelzwasser aus den Alpen kommt.
Seegfrörne
Seit 875 sind 39 Vereisungen überliefert – aber nur 8 Mal war der ganze Obersee tragfähig zugefroren. Das letzte Mal 1963.
Vollständige Seegfrörne des Obersees · alle übrigen Jahre: Teilvereisung, meist des flacheren Untersees
Der strengste Winter des 20. Jahrhunderts legte den ganzen Obersee unter eine tragfähige Eisdecke – bis heute zum letzten Mal.
Quelle: Deutscher Wetterdienst, Wikipedia „Seegfrörnen des Bodensees“
Natur und Umwelt
In den 1970er-Jahren drohte der Bodensee zu kippen. Was danach passierte, gilt heute als eine der erfolgreichsten Gewässersanierungen Europas – mit unerwarteten Folgen für die Fischerei.
Die Rückkehr des klaren Wassers ist eine der erfolgreichsten Gewässersanierungen Europas.
In den 1970er-Jahren drohte der Bodensee zu kippen: Phosphat aus Waschmitteln und ungeklärten Abwässern trieb den Nährstoffgehalt 1979 auf rund 87 Mikrogramm Phosphor je Liter. Algen trübten das Wasser, in der Tiefe wurde der Sauerstoff knapp. Der Ausbau der Kläranlagen mit Phosphatfällung rund um den ganzen See und das Phosphatverbot in Waschmitteln kehrten die Entwicklung um. Heute liegt der Wert wieder bei etwa 6 bis 7 Mikrogramm je Liter – so nährstoffarm wie vor der Industrialisierung. Für die Fischerei hat das eine unerwartete Kehrseite: Im klaren, nährstoffarmen Wasser wachsen die Felchen langsamer, die Erträge sind deutlich zurückgegangen.
Quelle: IGKB – Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee
87 → 7
µg Phosphor pro Liter (1979 → heute)
Zweimal im Jahr durchmischt sich das Wasser vollständig – theoretisch.
Im Winter kühlt die Oberfläche ab, bis das gesamte Wasser die gleiche Dichte hat. Dann sinkt sauerstoffreiches Oberflächenwasser bis auf 250 m hinab und versorgt die Tiefe für ein ganzes Jahr. Diese Vollzirkulation ist die Lebensversicherung des Sees. Sie funktioniert aber nur nach ausreichend kalten Wintern. In den vergangenen Jahrzehnten blieb sie mehrfach aus oder erreichte nur Teiltiefen – eine der deutlichsten Folgen der Erwärmung, die man am Bodensee messen kann.
Quelle: IGKB / BAFU
251 m
Tiefe, bis zu der frisches Wasser gelangen muss
Die Ufer sind Rastplatz für Hunderttausende Zugvögel.
Zwischen Konstanz und der Reichenau liegt mit dem Wollmatinger Ried eines der bedeutendsten Feuchtgebiete am Bodensee. Zusammen mit dem Rheindelta bei Fußach und dem Eriskircher Ried bildet es ein Netz von Schutzgebieten, die als Ramsar-Gebiete internationalen Rang haben. In der Flachwasserzone laichen die Fische, hier wachsen Schilf und die seltene Bodensee-Vergissmeinnicht – eine Art, die weltweit nur hier vorkommt. Die Zone ist zugleich der empfindlichste Teil des Sees: Wellenschlag, Ankern und Betreten in der Brutzeit richten dauerhaften Schaden an.
Quelle: NABU / Land Vorarlberg / IGKB
3
Ramsar-Gebiete von internationaler Bedeutung
Die Wassermasse wirkt wie ein Puffer gegen Frost.
Der See speichert im Sommer enorme Wärmemengen und gibt sie im Herbst langsam wieder ab. Das verlängert die Vegetationszeit und macht die Uferzone zu einem der nördlichsten Obst- und Weinbaugebiete mit verlässlichen Erträgen. Am Bodensee wachsen Äpfel auf mehreren tausend Hektar, dazu Müller-Thurgau, Spätburgunder und der typische Weißherbst. Auf der Mainau gedeihen Palmen und Zitrusgewächse im Freien – möglich nur, weil der See extreme Winterfröste abfedert.
Quelle: Land Vorarlberg – Messwerte Pegel Bregenz
≈ 26 °C
Wassertemperatur im Hochsommer nahe der Oberfläche
Über 30 Fischarten leben im See, einige nur hier.
Das Felchen ist der Brotfisch der Bodenseefischerei und in mehreren Formen im See vertreten. Dazu kommen Barsch – am See „Kretzer“ genannt –, Hecht, Zander, Aal und der Seesaibling, der die kalten Tiefen bevorzugt. Die Bestände reagieren empfindlich auf den Nährstoffrückgang und auf eingewanderte Arten: Die Quagga-Muschel, seit 2016 im See nachgewiesen, überzieht den Grund und entzieht dem Nahrungsnetz Plankton. Die Berufsfischerei ist deshalb heute deutlich kleiner als noch vor dreißig Jahren.
Quelle: IBKF – Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei
30+
nachgewiesene Fischarten